Motivation

Motievierte Lehrende = motivierte Lerner

ein Beitrag von Christina Heneka, download bei Cornelsen Verlag> Link

Content and Language Integrated Learning

Seit 2 Jahren arbeiten wir an unserer Schule mit dem CLIL-Programm in der 5. und 6. Klasse. An diesem insgesamt 3-jährigem Projekt beteiligen sich auch Schulen aus Griechenland, Polen und Rumänien.

CLIL heisst „Content and Language Integrated Learning“ und bedeutet, dass Fächer wie Biologie, Physik, Chemie, aber auch Geschichte oder Wirtschaft, usw. in einer Fremdsprache unterrichtet werden.

CLIL ist ein europäisches Projekt, an dem jeweils zwei Schulen in jedem Land teilnehmen und finanziell, wie auch inhaltlich und organisatorisch u.a. von Instituten wie Erasmus, dem Goetheinstitut, dem Institut Cervantes und der Universität Shumen unterstützt und gefördert werden.

Projektseite: http://blogs.uwekind.com/blog/2016/05/26/unser-clil-projekt/

Die PowerPoint-Präsentation können Sie hier herunterladen (PDF 3,2 MB)

Herzlichen Dank an Fr. Monika Lutowa!

azbuki

Lernen fördern – Schüler aktivieren – Mit neuen Methoden zu mehr Lernerfolg

Ein Interview mit Dr. Heinz Klippert. Biografisches finden Sie hier. Die Fragen wurden von der Zeitung AzBuki gestellt.

Frage: Herr Dr. Klippert, Sie sind Unterrichtsentwickler und Methodenforscher. Wie sollte moderner Unterricht heute aussehen?

Dr.Klippert2Dr. Klippert: Guter Unterricht braucht vielseitige Lerntätigkeiten und Lernmethoden. Darin sind sich die Lernforscher einig. Zugespitzt formuliert: Die Schüler/innen müssen sehr viel mehr und variantenreicher als bisher arbeiten, wenn sie nachhaltiges Wissen und Können aufbauen wollen. Und ihre Lehrkräfte müssen deutlich zurückhaltender agieren, d.h. weniger reden, an die Tafel schreiben oder in anderer Weise präsentieren. Dieser lehrerzentrierte Unterricht lässt bestenfalls „Oberflächenwissen“ entstehen, das die Schüler schon nach kurzer Zeit wieder vergessen. Hinzu kommt, dass die Kinder in diesem Unterricht viel zu wenig Gelegenheit erhalten, fachübergreifende Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Eigeninitiative, Kommunikationsfähigkeit, Methodenbeherrschung, Teamfähigkeit, Problemlösefähigkeit etc. zu entwickeln. Genau darauf aber kommt es heute dringlich an. (Hier geht es weiter.)

Frage: Was heißt das konkret für die Unterrichtsgestaltung? Werden die Lehrer als Experten jetzt gar nicht mehr gebraucht?

Dr. Klippert:  Die Lehrkräfte bleiben weiterhin wichtig, allerdings weniger als dominante Instrukteure und Wissensdarbieter, sondern mehr als zurückhaltende Lenker und Regisseure schülerzentrierter Lern-, Arbeits- und Interaktionsprozesse. Die Schüler müssen möglichst oft und konsequent veranlasst werden, selbstständig zu denken, zu recherchieren, kleine Vorträge zu halten, eigene Texte zu schreiben, Sachverhalte zu strukturieren, zu visualisieren, mit anderen zu kommunizieren, in Gruppen zusammenzuarbeiten, Probleme zu lösen, das eigene Lernen zu reflektieren etc. Diese Arbeits- und Interaktionsaktivitäten haben die Lehrkräfte zu initiieren, zu  organisieren, zu moderieren und – direkt oder indirekt – natürlich auch zu kontrollieren. Gleichzeitig können und müssen sie die Schüler gezielt beobachten, begleiten und defensiv beraten, damit deren Lernarbeiten in geordneten Bahnen verlaufen.

Frage: Welche Lehr- und Lernmethoden empfehlen Sie? Was ist das Herzstück Ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit?

Dr. Klippert: Kern meiner Arbeit ist die Förderung von Selbstständigkeit, Lernkompetenz und Sozialkompetenz auf Schülerseite. Diesbezüglich entwickele und erprobe ich seit drei Jahrzehnten geeignete Lern- und Trainingsmethoden für den Schulalltag. Dabei geht es mir um den Aufbau einer tragfähige Lern- und Förderkultur, die den Schülern hilft, ihre persönlichen Talente zu entwickeln. Wie sich diese Lern- und Förderkultur effektiv und zeitsparend aufbauen lässt, dazu liefere ich in meinen Büchern sehr konkrete Bausteine, Methoden und Strategien. Die vier Eckpfeiler meines Programms sind:  (a) Förderung grundlegender Lern-, Arbeits-, Kommunikations- und Präsentationskompetenzen, (b) Förderung des kooperativen Lernens, (c) Förderung erweiterter Wahlmöglichkeiten in den Fächern sowie (d) Förderung vernetzten Arbeitsunterrichts mittels spezifischer Lernspiralen.

Frage:  Die „Lernspiralen“ bezeichnen Sie als zentrales Förderinstrument. Was ist darunter zu verstehen?

Die Lernspiralen stehen für tiefschürfendes Lernen der Schüler. Die Schüler bohren sich mittels unterschiedlicher Lernaktivitäten in den jeweiligen Lernstoff hinein und praktizieren dabei vielseitiges tätiges Lernen – mal arbeitsgleich, mal arbeitsteilig, mal anspruchsvoller, mal einfacher, mal mit Partner A, mal mit Partner B und/oder C. Das alles bedingt differenzierte Lernanforderungen und Lernchancen – angefangen bei wechselnden Lerntätigkeiten, Lernpartnern und Lernprodukten bis hin zu differenzierten Aufgaben, Methoden und Arbeitsmitteln. Dieses Wechselspiel gewährleistet den Schülern vielfältige Anschlussmöglichkeiten im Unterrichtsverlauf und steht damit für wirksame Lernförderung. Der eine macht dieses lieber, der andere jenes; der eine kann das besser, der andere etwas anderes. Kein Schüler bleibt alleine oder wird nur einseitig angesprochen. Im Gegenteil: Jeder wird in höchst bunter Weise gefordert und gefördert. Dabei arbeiten in der Regel alle Schüler am gleichen Thema und mit dem gleichen Basismaterial. Das reduziert den Vorbereitungsaufwand für die Lehrkräfte.

Frage: Ist es möglich, die Schüler über Stunden hinweg in eigener Regie arbeiten zu lassen? Besteht da nicht die Gefahr, dass das Ganze langweilig wird?

Dr. Klippert:  Der langweiligste Unterricht ist der traditionelle Unterricht. Vorwiegend zuzuhören und Wissen zu konsumieren, reißt kaum jemanden vom Stuhl. Der Unterricht, für den ich stehe, setzt dagegen entschieden auf Methodenvielfalt und abwechslungsreiche Lernaktivitäten der Schüler. Die von mir entwickelten Lernspiralen zeigen das. Die Schüler schreiben und zeichnen, lesen und recherchieren, präsentieren und diskutieren, markieren und exzerpieren, strukturieren und experimentieren, halten Vorträge, führen Interviews und reflektieren ihr Lernen etc. Das alles tun sie mit unterschiedlicher Produktorientierung. Sie schreiben z.B. Briefe, Kommentare, Gedichte, Berichte, Protokolle. Sie erstellen themenzentrierte Folien, Tafelbilder, Spickzettel, Plakate, Wandzeitungen und vieles andere mehr. Das Lerngeschehen ist also wesentlich bunter als im herkömmlichen Unterricht.  Natürlich arbeiten die Schüler nicht ständig auf Hochtouren. Es gibt auch Entlastungsphasen. Lehrererzählungen, längere Stillarbeitsphasen, Filme und andere Lehrerdarbietungen gehören ebenso dazu wie die Fächer Sport, Werken oder Musik.  Das alles sorgt für die nötige Rhythmisierung und Entspannung im Schulalltag.

Frage:  Sie betonen die Bedeutung des Methodenlernens.Gilt das für alle Fächer und wie viel Zeit braucht man dafür?

Dr. Klippert: Ich unterscheide zwischen Methodentraining und Methodenpflege. Das Methodentraining ist fächerübergreifend angelegt und dient dem Klären und Einüben elementarer Arbeits-, Kommunikations-, Kooperations- oder Präsentationsmethoden. Wie und warum gestalte ich eine Mindmap? Worauf ist beim guten Vortrag zu achten? Wie und weshalb arbeitet man in Gruppen? Diese und viele andere Grundfragen mehr stehen im Vordergrund der betreffenden Trainingstage zu den Methodenfeldern „Arbeitstechniken lernen“, „Kommunikationstechniken trainieren“ und „Teamfähigkeit entwickeln“. Für diese Trainingsarbeit wird pro Jahr maximal eine Woche für das eine oder andere Methodenfeld aufgewandt. Das ist eine fachübergreifende Investition. Die regelgebundene Anwendung der eingeführten Methoden erfolgt dann in den Fächern und stützt und beschleunigt letztlich das inhaltsbezogene Arbeiten. Die Folge davon ist: Die methodische Hilflosigkeit vieler Schüler/innen nimmt ab, ihre Selbstsicherheit und Zielstrebigkeit beim Lernen nehmen zu.

Frage:  Können Sie Beispiele dafür nennen, dass sich das Methodenlernen für die Fachlehrer auszahlt?

Dr. Klippert:  Wir haben Hunderte von Schülern beobachtet und befragt, wie sie ihre Klassenarbeiten vorbereiten. Das Ergebnis war niederschmetternd. Die meisten Schüler pauken kurzfristig, alleine und durch gelegentliches Angucken von Heft- und Buchseiten, obwohl die Lernforschung diese Strategien als wenig wirksam belegt. Ähnliche Unzulänglichkeiten zeigten sich u.a.  beim Markieren von Texten.  Das Gros der Schüler markierte fast alles – mal mit Bleistift, mal mit Kugelschreiber, mal mit einem oder mehreren Textmarkern.  Von augenfälliger und gehirngerechter Textbearbeitung war in der Regel wenig zu sehen. Wenn an diesen intuitiven Lernstrategien nicht systematisch und fachübergreifend gearbeitet wird, dann müssen sich die diversen Fachlehrer nicht wundern, wenn das Lernen der Schüler relativ flach und unwirksam verläuft. Diesem Dilemma wirken die Methodentrainings entgegen.

 

Frage:  Welchen Stellenwert haben Gruppen- und Partnerarbeit für Sie? Wie kann man das Lernen in Gruppen erfolgreicher gestalten?

Dr. Klippert: Gruppenarbeit hat für mich einen hohen Stellenwert. Viele Schüler brauchen flexibel und zeitnah Hilfe und Feedback, wenn sie beim Lernen vorankommen sollen. Das kann nicht alleine die Lehrkraft sichern. Dazu braucht es Lerngruppen und Lernpartner. Wir haben so viele Talente in den Klassen, die sich gegenseitig helfen, kontrollieren, beraten und erziehen können. Wir müssen sie nur aktivieren. In Gruppen können auftretende Probleme häufig schneller und wirksamer gelöst werden, als das einem einzelnen Lehrer möglich ist – vorausgesetzt, die Schüler sind entsprechend vorbereitet. Deshalb qualifizieren wir die Schüler als Regelwächter und Zeitwächter, als Kontrolleure und Gesprächsleiter, als Helfer und Feedbackgeber. Dazu gibt es richtige Trainingstage. Hinzu kommt, dass wir die Gruppenmitglieder und die Gruppensprecher immer wieder per Los ermitteln, so dass jeder auf jeden angewiesen ist.  Das steigert die Mitmachbereitschaft und Lerndisziplin in den Gruppen.

Frage:  Wie steht es um die Fachleistungen der Schüler/innen? Gibt es dazu aussagekräftige Evaluationsergebnisse?

Dr. Klippert:  Die Frage ist zunächst, was unter Fachleistung verstanden wird. Wenn damit nicht nur Fachwissen, sondern fachspezifisches Können im kognitiven wie im methodischen, kommunikativen und sozialen Bereich gemeint ist, dann sprechen die Evaluationsergebnisse in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Rheinland-Pfalz eindeutig dafür, dass meine Methodik auf Schülerseite beträchtliche Lernfortschritte induziert – bei den fachübergreifenden Kompetenzen, aber nicht nur dort. Auch der Aufbau nachhaltigen Fachwissens wird durch die vielseitigen Lernarbeiten der Schüler unterstützt. Indem die Schüler nämlich vielseitig tätig werden, kooperieren, diskutieren, präsentieren und Probleme lösen müssen, wird der jeweilige Lernstoff intensiv durchgeknetet und im Gedächtnis verankert. Es werden relativ stabile Synapsen gebildet. Das Wissen bleibt längerfristig abrufbar. Das bestätigt die neuere Gehirnforschung. Gleichwohl erhoffe ich mir natürlich weitere Forschungen in diesem Bereich.

 

Frage:  Wie kommt Ihr Methodenprogramm bei Lehrern wie Schülern an? Gibt es Schwierigkeiten oder auch Widerstände?

Dr. Klippert: Natürlich sind nicht alle Schüler gleich erfreut, wenn sie selbstständig arbeiten und lernen sollen. Manche Schüler möchten sich lieber weiterhin berieseln lassen. Das ist bequemer, aber meist wenig lernwirksam. Wenn die Lernforschung zeigt, dass 90 bis 95 Prozent der Menschen vorrangig praktisch-anschaulich begabt sind, dann heißt das eben, dass wir die Schüler zwingend aktivieren müssen. Nur so können sie das nötige Wissen in ihren Köpfen aufbauen. Tröstlich ist: Nach einer Phase der Gewöhnung, sind viele Schüler dann durchaus dankbar dafür, dass sie selbstständig und methodisch geschult zu lernen verstehen – egal, ob in Gruppen oder alleine. Meist merken sie dann auch, dass das eigene Tun und Interagieren mehr motiviert als bloßes Zuhören, Nachbeten oder Abschreiben. Voraussetzung dafür ist freilich tragfähige Methodenbeherrschung – Teamfähigkeit eingeschlossen. Daran arbeiten wir in den Schulen in eigens eingeplanten Trainingstagen.

 

Frage:  Und die Lehrkräfte? Wie stehen sie Ihren methodischen Vorschlägen und Anregungen gegenüber?

Dr. Klippert: Viele Lehrkräfte haben anfangs Zweifel, dass die Schüler den vorgesehenen Anforderungen und Methoden gewachsen sein werden. Diesen Zweifeln tragen wir dadurch Rechnung, dass wir den Unterricht recht kleinschrittig und behutsam verändern. Dafür sorgen die Lernspiralen mit ihrer klaren Reglementierung, Ablaufstruktur und Lehrerlenkung. Das heißt: Angesagt ist nicht gleich offenes Lernen, sondern ein wohl dosierter Mix als Lehrersteuerung und Schülerselbsttätigkeit. Für diese dosierte Veränderung sorgen aber auch die erwähnten Methoden-, Kommunikations- und Teamtrainings, die wir in den Klassen durchführen. Sie vermitteln den Schülern die nötigen methodischen Werkzeuge und Regelwerke, damit ihr selbstständiges Lernen besser gelingen kann. Das alles fördert die Sicherheit und Erfolgswahrscheinlichkeit auf Schüler- wie auf Lehrerseite.

Frage:  Passen eigentlich die schulischen Rahmenbedingungen zu ihrem Methodenprogramm? Gibt es Schwierigkeiten?

Dr. Klippert: Die Rahmenbedingungen stimmen vielerorts nicht. Das beginnt bei den Klassengrößen und Klassenräumen und reicht über den restriktiven 45-Minuten-Takt des Unterrichts bis hin zu fehlenden Lern- und Arbeitsmitteln für die Hände der Schüler. Auch die Lehreraus- und -fortbildung hinkt deutlich hinterher. Dennoch sollten die vorhandenen Gestaltungsspielräume offensiv gesucht und genutzt werden. Da geht durchaus eine ganze Menge. Der 45-Minuten-Takt z.B. ist schulintern veränderbar. Doppelstunden und separate Trainingstage sind sehr wohl machbar. Auch ungünstige räumliche Gegebenheiten lassen sich mit ein wenig Improvisation in vielen Fällen so verändern, dass die angestrebten Methoden und Sozialformen angemessen realisierbar werden. Das gilt für das Stellen eines Stuhlkreises genauso wie für das Bilden von Zufallsgruppen, das Anpinnen von Lernprodukten oder das flexible Einrichten einer Gruppensitzordnung im Klassenraum. In meinen Büchern gebe ich diesbezüglich sehr konkrete Hinweise.

Frage:  Was heißt das für die Lehrerbildung? Wie können die Lehrkräfte auf den anvisierten Unterricht vorbereitet werden?

Dr. Klippert:  Die Lehrerbildung  muss dem Methodenlernen der Lehrkräfte sehr viel mehr Raum geben, als das bisher der Fall ist. Lehrertraining, gemeinsame Unterrichtsvorbereitung, angeleitete Workshops, Teamteaching, Hospitationen, arbeitsteilige Materialarchivierung und anderes mehr bieten sich diesbezüglich an. Das gilt vor allem auch für die schulinterne Lehrerfortbildung. Diese Ansätze sind feste Bestandteile meines Programms. Entsprechende Lehrertrainings können von daher gar nicht früh genug einsetzen. Wer z.B. während der Ausbildung lernt, eine pfiffige, kompetenzorientierte Doppelstunde in vielleicht 30 Minuten vorzubereiten und zu archivieren, der erwirbt damit entscheidendes Rüstzeug für das Planen und Gestalten modernen Unterrichts. Dagegen helfen neue Bildungspläne, Leitlinien, Handreichungen und sonstige pädagogische Verlautbarungen eher wenig. Sie bleiben in der Regel viel zu abstrakt und appellativ. Es wäre daher schön, wenn die Ausbildung stärker in die erstgenannte Richtung zielen würde. Mein Buch „Unterrichtsentwicklung leicht gemacht“ gibt vielfältige Anregungen, wo und wie angesetzt werden kann.

Frage:  Sie sprechen davon, dass die Lehrkräfte neue Routinen in Sachen Unterrichtsgestaltung brauchen. Wozu dieses?

Dr. Klippert: Routinen sichern beständiges und selbstbewusstes innovatives Handeln. Das zeigt die Verhaltensforschung. Fehlen diese neuen Routinen, so fallen Menschen immer wieder in alte vertraute Handlungsmuster zurück. Und genau das ist das Problem in unseren Schulen. Die meisten Lehrkräfte verfügen über recht stabile Routinen in Sachen Lehrervortrag, Tafelbildentwicklung, Sanktionsausübung und fragend-entwickelndes Unterrichtsgespräch. Das alles sind lehreraktive Verfahren. Woran es dagegen mangelt, das sind tragfähige Routinen in Sachen Schüleraktivierung, Methodenschulung und Kompetenzvermittlung. Durch Lehrertraining, Materialservice, bewährte Unterrichtsbeispiele, Methodenkarteien, Checklisten, Planungsraster, angeleiteten Workshops, zeitsparende Archivierungsverfahren und sonstige strategische Anregungen und Übungen versuchen wir diese neuen Routinen zügig aufbauen zu helfen. Das fördert die Innovationsbereitschaft und -kompetenz in den Kollegien. Auch das gehört zu den zentralen Aufgaben der Lehrerbildung.

Frage:  Kürzlich waren Sie Gastredner bei der Jahrestagung des bulgarischen Deutschlehrerverbands. Wie haben die Anwesenden auf ihre Anregungen reagiert?

Dr. Klippert:  Ich habe natürlich keine repräsentativen Einblick. Aber das Interesse der Teilnehmer war groß. Das gilt sowohl für meinen Hauptvortrag wie für die beiden Workshops am nächsten Tag. Meine Vorschläge in punkto Lernförderung, Schüleraktivierung, Differenzierung, Kompetenzvermittlung, Methodenschulung, Lehrerkooperation und Lehrerfortbildung wurden nach meiner Wahrnehmung sehr positiv aufgenommen. Viele haben gesehen und mir das auch zurückgemeldet, dass die vorgestellten Lernspiralen und Lernmethoden machbar und hilfreich sind. Natürlich ist die tatsächliche Umsetzung dieser Verfahren im Schulalltag alles andere als ein Kinderspiel und bedarf verschiedener flankierender Unterstützungsmaßnahmen auf Schul- und Landesebene. Im Klartext: Ein einzelner Deutschlehrer wird es in seiner Schule zwangsläufig schwer haben, mit einigen wenigen Wochenstunden eine neue Lern- und Methodenkultur aufzubauen. Dazu bedarf es entsprechender Lehrerteams, gemeinsamer Workshops, Materialaustausche, Hospitationen, einschlägiger Lehrerfortbildungsseminare sowie abgestimmter Vorgehensweisen auf Klassen, Fach- und Schulebene.

Frage:  Wie sehen Sie die Chancen für eine Umsetzung ihres Methoden- und Unterrichtsentwicklungsprogramms in Bulgarien?

Natürlich gibt es Mentalitätsunterschiede, unterschiedliche Traditionen und selbstvertändlich auch unterschiedliche bildungspolitische Rahmenbedingungen. Trotzdem sehe ich eine Reihe von Parallelen zwischen Deutschland und Bulgarien. Die Schüler/innen müssen hier wie dort auf die moderne Wissens- und Informationsgesellschaft vorbereitet werden. Sie brauchen Selbstständigkeit und vielfältige Kompetenzen, wie ich sie in meinem Programm herausstelle. Auf diesen veränderten Bildungsauftrag müssen sich Politik, Lehrerbildung und Lehrkräfte verstärkt einstellen. Wie die entsprechende Qualifizierungsarbeit aussehen kann, dazu habe ich eine Reihe von Anregungen gegeben. Anregungen habe ich aber auch zum Problemfeld „Zeit- und Arbeitsökonomie“ gegeben. Denn klar ist: Bildungsreformen werden in der Regel nur dann gelingen, wenn sie im besten Sinne des Wortes machbar und alltagstauglich sind. Diesbezüglich sind u.a. die Schulleitungen, die Bildungspolitik sowie die Lehreraus- und -fortbildung in der Pflicht. Das heißt allerdings nicht, dass einzelne Lehrkräfte nicht anfangen können. Im Gegenteil, auch in Deutschland sind es oft Einzelne oder kleiner Lehrerteams, die schulintern beginnen und durchaus Beachtliches erreichen. Trotzdem wäre es gut, wenn sich alsbald Verbündete fänden, damit die anvisierte Lehr- und Lernkultur nachhaltig konsolidiert werden kann. Das verweist auf die Bedeutung der Lehrerkooperation und der Teamfortbildung von Lehrern. Dieses Erfordernis gilt für Deutschland wie für Bulgarien.

Weiterführende Literatur zum „Klippert-Programm“

 

Klippert, H.:  Lernen fördern – Lehrer entlasten. Die Klippert-Methodik in der Praxis. Ein Film von Dr. Paul Schwarz. Weinheim und Basel 2013.

Klippert, H.:  Unterrichtsvorbereitung leicht gemacht. 80 Bausteine zur Förderung selbst-ständigen Lernens. Weinheim und Basel 2012.

Klippert, H.:  Heterogenität im Klassenzimmer. Wie Lehrkräfte effektiv und zeitsparend damit umgehen können. Weinheim und Basel 2010 (2. Auflage 2012)

Klippert, H.: Besser lernen. Kompetenzvermittlung und Schüleraktivierung im Schulalltag. Stuttgart u.a. 2008.

Klippert, H.:  Methodentraining. Übungsbausteine für den Unterricht. Weinheim und Basel 1994 (20. Auflage 2012).

Klippert, H.:  Kommunikationstraining. Übungsbausteine für den Unterricht. Weinheim und Basel 1995 (13. Auflage 2012).

Klippert, H.:  Teamentwicklung im Klassenraum. Übungsbausteine für den Unterricht. Weinheim und Basel 1998 (10. Auflage 2012)

Klippert, H.:  Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen. Bausteine für den Fachunterricht. Weinheim und Basel 2001 (5. Auflage 2007)

Klippert, H.; Müller, F.: Methodenlernen in der Grundschule. Bausteine für den Unterricht. Weinheim und Basel 2003 (6. Auflage 2012).

Klippert, H.:  Planspiele. Spielvorlagen zum sozialen, politischen und methodischen Lernen in Gruppen. Weinheim und Basel 1996 (5. Auflage 2008).

Klippert, H.: Lehrerentlastung. Strategien zur wirksamen Arbeitserleichterung in Schule
und Unterricht. Weinheim und Basel 2006 (3. Aufl. 2007).

Klippert, H.:  Pädagogische Schulentwicklung. Planungs- und Arbeitshilfen zur Förderung einer neuen Lernkultur. Weinheim und Basel 2000 (3. Auflage 2008).

Klippert, H.: Lehrerbildung. Unterrichtsentwicklung und der Aufbau neuer Routinen. Weinheim und Basel 2004.

Blue Taste Theme created by Jabox