Bericht 26. Tagung BDV

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Der Bericht zur 26. Jahrestagung von BDV liegt vor – herzlichen Dank an Rositsa Harizanova, Violeta Getscheva und Prof. Marijka Dimitrova. Der Text erscheint auch im IDV-Magazin im Juni 2017 – Link zur Ausgabe hier

26. Tagung des Bulgarischen Deutschlehrerverbandes 31.03.2017 – 02.04. 2017, Sofia/Bulgarien

Das Lesen – effektiv – interaktiv – konstruktiv

Die Nationale Tagung des Bulgarischen Deutschlehrerverbandes (BDV), die jedes Jahr an einem unterschiedlichen Ort abgehalten wird, ist das wichtigste Ereignis auf dem Kalender des Verbandes der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer in Bulgarien. Es ermöglicht den Teilnehmern die Auseinandersetzung mit den neuesten Tendenzen im DaF-Lehren und -Lernen, mit neu erschienenen Lehrwerken und Lernmaterialien, sowie mit aktuellen Trends in der Vorbereitung zukünftiger Deutschlehrer. 

Sofia, die Hauptstadt Bulgariens, eine der ältesten Städte Europas mit beeindruckender Geschichte, war der Ort, wo im Jahr 2017 die Deutschlehrertagung stattfand. Etwa 200 Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, Germanistinnen und Germanisten aus bulgarischen Schulen und Universitäten, aus Mazedonien und Rumänien, Lektoren aus Deutschland, Österreich und Slowenien kamen hier zusammen. Die Tagung wurde unter der Schirmherrschaft Seiner Exzellenz Mag. Roland Hauser, Botschafter der Republik Österreich in Bulgarien, durchgeführt. Die Organisation vor Ort übernahm das Departement für Romanistik und Germanistik an der Neuen Bulgarischen Universität in Sofia, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. sc. Maria Grozeva und Frau Violetta Getscheva, Vorsitzende des BDV. Für die Lehre und Forschung an der Neuen Bulgarischen Universität ist das Motto „die Vielfalt nicht scheuen“ kennzeichnend. Sponsoren des Events waren die Österreichische Botschaft, das Goethe-Institut in Bulgarien und die Hanns-Seidel-Stiftung.

Die offizielle Eröffnung fand in der Aula der Neuen Bulgarischen Universität statt, wo Grußworte an die Anwesenden Seine Exzellenz Mag. Roland Hauser (Botschafter der Republik Österreich in Bulgarien), Herr Bogdan Mirtschev (Projektleiter der Hanns-Seidel-Stiftung Bulgarien), Frau Sabine Bachmann-Bosse (Goethe-Institut Bulgarien, Stellvertretende Institutsleiterin und Leiterin der Spracharbeit), Herr Prof. Dr. Marin Marinov (Stellvertretender Rektor für die Lehrtätigkeit an der Neuen Bulgarischen Universität), Frau Dr. Magdalena Karadjounkova (Leiterin des Departements für Romanistik und Germanistik an der Neuen Bulgarischen Universität) richteten. Alle Teilnehmer wurden von Frau Violetta Getscheva herzlich willkommen geheißen. Gast der Tagung war auch Herr Markus Haas (Leiter des Kultur- und Pressereferats der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bulgarien).

Grußadressen an die Tagung richteten der Minister für Bildung und Wissenschaft, Herr Prof. Dr. Nikolaj Denkov, verlesen und feierlich überreicht von Frau Anna Arsenieva (Hauptinspektorin für Deutsch am Ministerium für Bildung und Wissenschaft), und die Bürgermeisterin der Stadt Sofia, Frau Jordanka Fandakova.

Danach konnten alle das Konzert der Studentinnen und Studenten am Departement für Musik an der Neuen Bulgarischen Universität miterleben und mit Begeisterung applaudieren. Das erste Plenarreferat hielt Frau Prof. Dr. sc. Maria Grozeva (Neue Bulgarische Universität Sofia) zum Thema “Gen Z – ein Albtraum oder eine Herausforderung“. Danach sprach Herr Martin Cichon (Freie Evangelische Oberschule Görlitz, Deutschland). Das Thema seines Plenarreferats lautete “Neurodidaktische Ansätze im DaF-Unterricht”. Beide Plenarreferate wurden mit großem Interesse seitens des Publikums verfolgt.

Der zweite Tag war für die Sitzungen der Arbeitsgruppen vorgesehen.

Im Folgenden wird über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen kurz berichtet. Als Grundlage der Zusammenfassung dienten die Berichte der Leiter der Arbeitsgruppen, die zum Teil gekürzt oder geändert wurden.

Wie wurde das Thema der Tagung, die Lesekompetenz als einer der wichtigsten Bausteine beim Sprachenlernen bzw. beim Erlernen der deutschen Sprache, in den einzelnen Arbeitsgruppen behandelt?

Schwerpunkt in der AG 1, unter der Leitung von Herrn M.Chichon (Freie Evangelische Oberschule in Görlitz), war „Lesekompetenz und neurodidaktische Erkenntnisse“. Fazit: Lesekompetenz fördert die Wortschatzarbeit, den Erwerb von Sprachstrukturen und das landeskundliche Wissen, die Verbesserung der Aussprache. Wenn die Schüler aufgrund ihrer Emotionen die Sprache erwerben und miterleben, so ist die Effizienz optimal. Einen Text nur lesen, genügt aber nicht.

M.Chichon hat das spielerische Eingehen beim Sprachenlernen betont. Und wenn man „gehirngerecht“ liest, kombiniert man Logik mit Wortschatz, Texte mit ihrer landeskudlichen Intention. Relevant dabei sind auch das graphische Lesen, das didaktisch reduzierte Lesen und das selektive Lesen, sie lassen sich kombinieren mit „hörend lesen, vertiefend lesen und sprachlich konstruiert/d.h. nach inhaltlichem Aufbau/ lesen“. Im Workshop wurden unterschiedliche Techniken nach landeskundlich relevanten und aktuellen Beispielen erprobt.

Die zweite AG, unter der Leitung von Herrn Jörg Kassner, Frau Eva Zick und Herrn Goncalo Lopez de Sá (Fachberatung Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Sofia), setzte sich mit dem Thema “Literatur im DaF-Unterricht – kreativ und schülerorientiert“ auseinander. Der Schwerpunkt war „Methodische Anregungen für die Einbeziehung literarischer Texte im DaF-Unterricht“.

Im Seminar ging es darum, dass heutzutage die traditionellen literarischen Texte eine geringere Rolle spielen, obwohl sie den Wortschatz bereichern und die Lesekompetenz fördern. Um richtig verstanden zu werden, spielt eine Rolle vor allem die emphatische und subjektive Annäherung an Themen, die Jugendliche interessieren. Wie gesagt, nur Lesen ist nicht genug. Von Bedeutung sind die Methoden, die die Schüler dem Text nahe bringen/ Lesetagebuch, Literaturkartei, Arbeit an Personenbeschreibungen, kreative Auseinandersetzug mit den Themen u.a. Somit wird die Selbsttätigkeit der Lerner garantiert, weil sie eine individuelle Arbeit mit Texten anstreben und dank verschiedener Ansätze eine interaktive Arbeit leisten können. Die Rolle des Lehrers als Berater und Helfer bei der Auseinandersetzung mit den Texten ist ganz wichtig, wobei der Unterricht lernerzentriert bleibt.

AG 3 befasste sich mit dem „Einsatz von Kunst im Deutschunterricht am Beispiel von Hundertwassers Leben und Schaffen“, unter der Leitung von Frau Nora Krasteva (NBU Sofia) und Frau Nadezhda Stoilkova (Uwe-Kind-Schule Sofia).Die Arbeit war gerichtet, sowohl an kunstinteressierte Kolleginnen, als auch an solche, die wenig Erfahrung mit diesem Thema haben. Zielgruppe sind die Lerner und ihre Gewinnung für die Kunst, besonders gut geprägt am Beispiel des genialen Architekten und Schöpfers Hundertwasser. Eine bildhafte Kunst schafft immer Mehrwert im Unterricht, inspiriert zur Arbeit und macht den stereotypen Sachunterricht zum Projektunterricht.

Am Anfang war der Text“ war das Thema der AG 4 (geleitet von Frau M.A. Maya Riedl, „Sprachen Plus“ Würzburg, Deutschland). Die Lektorin ging darauf ein, dass es dem Lesen schwerfällt, in dem Zeitalter der E-Generation und der ausserordentlichen Anwendung von vielen Medien und ihren überwiegenden Ton- und Bildeinwirkungen denen gegenüber eine Konkurrenz zu machen. Um der Herausforderung entgegenzugehen und die Lesekompetenz zu fördern, benutzt der Lehrer eher moderne Textquellen, die handlugsorientiert und kommunikativ vermittelt werden.

Neben den traditionellen literarischen Texten – Geschichten und Gedichten – wurden im Workshop Songtexte, Filmausschnitte und Blogbeiträge als Textgrundlage vorgestellt. Anhand der erstellten Aufgaben lernt man neue literaturbezogene Unterrichtsmethoden kennen. Alle Inhalte sollen praxisorientiert sein.

Titel des Seminars in AG 5 war „…in andere Welten eintauchen” lassen – Thesen und Ansätze zum Umgang mit literarischen Texten im DaF –Unterricht“ mit Schwerpunkt “Lese- und Literaturdidaktik im DaF-Unterricht /Zielsetzungen, Textwahl, Verfahrensweisen/. Leiterinnen waren Frau Assoc. Prof. Dr. Elena Savova (NBU Sofia) und a.o. Prof. Dr. Saša Jazbeck (Universität Maribor, Slowenien). Das Lesen literarischer Texte verhilft den Lehrerinnen und Lehrern, zielsprachliche Fertigkeiten zu entwickeln und den Zugang zu anderen, mehr oder weniger realen oder fiktionalen Welten. Dabei sei die didaktische Hilfe und Förderung von großer Bedeutung.

Der Workshop behandelte aktuelle Ansätze zur Arbeit mit literarischen Texten hinsichtlich ihrer unterrichtspraktischen Relevanz für unterschiedliche Lernergruppen und Stufen. Themenschwerpunkte waren Zielsetzungen der Textarbeit, Kriterien der Textwahl, Medieneinsatz, Aktivitäten zu einem komplexen Umgang mit literarischen Texten. Zur Diskussion wurden Thesen gestellt, Aufgaben erprobt und methodisch reflektiert. Besprochen wurden Anregungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Erstellung eigener Unterrichtsmaterialien.

Die AG 6 hatte als Schwerpunkt das Thema „Lernen und Spielen“, geleitet von Herrn Maarten Vonk (Shakespeare-Schule bei der Schiller-Stiftung, Sofia). Die Auseinandersetzung mit dem Thema stand unter dem Motto : “Sprich, damit ich dich höre“ oder „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Ziel und Verlauf der Arbeit war das Leitmotiv: “Lernen ist Sprechen, Sprechen ist Bewegung, Bewegung ist Spielen“.

Im Seminar hat man mit ganz einfachen Mitteln unter der Hand / Stuhl, Plastikgläser, Servietten usw./ lustige Sketchs gespielt, pantomimisch und verbal Dialoge gemacht, Situationen dargestellt, und das Ganze verlief mit ständiger Bewegung und Auswechslung der Partner. „Das Kollegium ist ein aktiver Eingriff!“ – das war ein führendes Prinzip beim Verlauf des Seminars.

Am Hauptthema „Lesehemmnisse beseitigen” – Methoden zum flüssigen Lesen“ arbeitete die AG 7 unter der Leitung von Herrn M.A. Stefan A. Riedl (Duale Hochschule Baden Württemberg, Mosbach, Deutschland).

Lesen ist eine unerlässliche Methode, um Lesekenntnisse zu erwerben, Grammatik zu festigen und Vokabeln im Kontext besser zu lernen. Das laute Lesen ist leider nicht mehr in Mode, da man sich abgewöhnt hat, seine eigene Stimme zu hören. Auch die „innere“ Stimme hat einen großen Einfluß auf Leseverständnis, Aussprache und die Freude am Lesen.

Der Workshop beschäftigte sich mit verschiedenen Aspekten des Lesens zur Erweiterung des Spracherwerbs und den unterschiedlichen Ansätzen zur Unterstützung des individuell flüssigeren Lesens.

Die AG 8, geleitet von Frau M.A. Marie Fessel (DAAD-Lektorin, TU Sofia), befasste sich mit dem Thema „Aussprache und Sprechausdruck beim (Vor-) Lesen – Phonetikübungen für den DaF-Unterricht“. Schwerpunkt war die Phonetik und die Aussprache als wichtige Aspekte des Spracherwerbs. Im Blickpunkt waren passende Übungen zum ausdrucksvollen Vorlesen eines Textes. In der Gruppe wurden verschiedene Ausspracheübungen ausprobiert.

Dazu noch lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedliche hilfreiche Ausspracheübungen zum ausdrucksvollen Vorlesen.Thematisiert wurden die spezifischen Schwierigkeiten der bulgarischen Lerner auf allen phonetischen Ebenen, sowie die emotionale Sprechweise. Lyrischen Texten wurde eine besondere Rolle fürs ausdrucksvolle Sprechen und für Sprechübungen zugeteilt. Unterrichtseinheiten zum ausdrucksvollen Lesen wurden von den Teilnehmern erarbeitet und evaluiert.

Das Leitthema der AG 9 war „Lesekompetenz – ein universelles Kulturwerkzeug“. Das Schwerpunktthema war „Lesen als zweckgerichtete und kommunikative Handlung/ Lesen als interaktiver Prozess“. Die AG wurde von Herrn Andreas Chetkowski, DAAD-Lektor an der Hll. Kyrill-und-Method-Universität Veliko Tarnovo, und von Frau Isabelle von Zitzewitz, DAAD-Lektorin an der Konstantin-Preslavski-Universität Schumen, geleitet.

In der Arbeit dieser Gruppe wurde der Stellenwert des Lesens authentischer Texte verdeutlicht und gezeigt, wie diese von den Lernergruppen einzuschätzen sind. Im Seminar wurden Entschlüsselungsstrategien beim Lesen von Texten vermittelt und es wurde auf die Einsetzbarkeit eines Textes im Unterricht eingegangen.

Dabei wurden die methodischen Voraussetzungen, Konsequenzen und Rahmenbedingungen strategischen Lesens als Ideen für den Unterricht reflektiert, so dass daraus eigene Konsequenzen für eine gute Textauswahl und Didaktisierung gezogen werden können.

Am dritten Tag wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 26. Nationalen Tagung des BDV über bevorstehende Ereignisse und laufende Projekte informiert:

– Frau Monika Lutowa (Internationale Uwe-Kind-Schule, Sofia) berichtete über das CLIL-Projekt (CLIL = Content and Language Intergrated Learning), an dem außer Bulgarien noch Griechenland, Polen und Rumänien teilnehmen. CLIL ist ein Programm, das in der 5. und 6. Klasse eingesetzt wird, und bedeutet, dass Fächer wie z.B. Biologie, Physik, Chemie, Geschichte, Wirtschaft u.ä. in einer Fremdsprache unterrichtet werden.

– Frau Marijka Dimitrova machte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem aktuellen Stand der Organisation der XVI. Internationalen Deutschlehrerinnen- und Deutschlehrertagung in Freiburg/Fribourg in der Schweiz (31.07.-04.08.2017) und der I. Osteuropäischen Regionaltagung der Internationalen Föderation der Verbände der Fremdsprachenlehrer (FILPV) in Varna (22.06.-25.06.2017), der Meereshauptstadt Bulgariens, bekannt. Verlage für Deutsch als Fremdsprache sowie Goethe-Institut in Sofia waren auch in diesem Jahr mit eigenen Ständen vertreten.

Alle Anwesenden konnten die herzliche Atmosphäre und die Gastfreundlichkeit während der ganzen Tagung in Sofia genießen. Worte der Dankbarkeit wurden beim Sichverabschieden ausgetauscht, Worte der Genugtuung über den erfolgreichen Verlauf, den fruchtbaren Erfahrungsaustausch zum Ausdruck gebracht.

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